Brauchen Hunde Kohlenhydrate?
Von Simone Einfeldt und Thomas Nocker · Veröffentlicht 20. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Hunde brauchen keine Kohlenhydrate im Futter – ihr Stoffwechsel kann alle nötige Energie aus Fett und Protein gewinnen. Trotzdem können moderate Mengen gut verdaulicher Kohlenhydrate sinnvoll sein: Sie liefern schnell verfügbare Energie, entlasten den Proteinstoffwechsel und machen Futter günstiger herstellbar. Entscheidend ist die Qualität: Kartoffel, Reis oder Süßkartoffel sind bekömmlich, während hohe Getreideanteile bei vielen Hunden zu Verdauungsproblemen führen. Ein Fleischanteil von mindestens 60–70 Prozent im Nassfutter entspricht der natürlichen Ernährung am besten.
Hunde brauchen Protein, Fett, Vitamine und Mineralstoffe – das ist unbestritten. Aber wie steht es um Kohlenhydrate? Die Frage, ob Kohlenhydrate im Hundefutter nötig sind, sorgt unter Haltern immer wieder für Diskussionen. Wir schauen uns an, was der Hundekörper wirklich braucht, was er verarbeiten kann und worauf du bei der Futterauswahl achten solltest.
Können Hunde Kohlenhydrate überhaupt verdauen?
Ja, Hunde können Kohlenhydrate verwerten – allerdings weniger effizient als Menschen. Im Laufe der Domestikation hat sich ihr Verdauungssystem angepasst: Hunde besitzen heute mehrere Kopien des Gens für das Enzym Amylase, das Stärke aufspaltet. Wölfe haben deutlich weniger dieser Genkopien.
Trotzdem bleibt der Hund in seinem Verdauungssystem ein Beutetierfresser. Die Bauchspeicheldrüse produziert Amylase, aber längst nicht in dem Maß wie bei Allesfressern. Die Kohlenhydrate müssen deshalb gut aufgeschlossen sein – am besten gekocht, gedämpft oder im Fall von Trockenfutter durch Erhitzung aufbereitet.
Rohe Stärke kann der Hund kaum nutzen. Sie landet weitgehend unverdaut im Dickdarm, wo Bakterien sie vergären – das führt zu Blähungen, weichem Kot und oft zu Unwohlsein.
Sind Kohlenhydrate für Hunde lebensnotwendig?
Nein. Kohlenhydrate gehören nicht zu den essenziellen Nährstoffen für den Hund. Sein Stoffwechsel kann aus Fett und Protein alle Energie gewinnen, die er braucht. Auch Glukose, die das Gehirn und die roten Blutkörperchen benötigen, kann der Körper aus Aminosäuren herstellen – ein Prozess, der Gluconeogenese heißt.
Ein Hund könnte theoretisch sein Leben lang ohne jedes Gramm Kohlenhydrat im Futter auskommen, solange Protein und Fett in ausreichender Menge und Qualität vorhanden sind.
Trotzdem enthalten die allermeisten Hundefutter Kohlenhydrate – und das aus nachvollziehbaren Gründen.
Warum enthalten die meisten Futter Kohlenhydrate?
Kohlenhydrate erfüllen im Futter mehrere Funktionen:
- Energiequelle: Sie liefern schnell verfügbare Energie, besonders bei Ausdauerbelastungen.
- Entlastung des Proteinstoffwechsels: Steht genug Energie aus Kohlenhydraten oder Fett zur Verfügung, muss der Körper weniger Protein zur Energiegewinnung heranziehen – das Protein kann stattdessen für Muskelaufbau und Zellerneuerung genutzt werden.
- Struktur und Herstellung: In Trockenfutter sorgen Kohlenhydrate für die Bindung und Formgebung der Kroketten.
- Kosten: Kohlenhydratquellen wie Getreide oder Kartoffel sind günstiger als Fleisch – das macht Futter erschwinglicher.
Die Frage ist also nicht, ob Kohlenhydrate grundsätzlich schädlich sind, sondern wie viel und welche Qualität sinnvoll ist.
Wie viel Kohlenhydrate verträgt ein Hund?
Die meisten Hunde kommen mit etwa 20–30 Prozent Kohlenhydraten in der Trockensubstanz gut zurecht, wenn die Quellen hochwertig und gut verdaulich sind. Höhere Anteile – etwa über 40 Prozent – führen bei vielen Hunden zu Verdauungsproblemen: weicher Kot, Blähungen, Unruhe oder Juckreiz.
Besonders kritisch wird es, wenn Getreide die erste oder zweite Zutat in der Liste ist. Das bedeutet, dass der Fleischanteil niedrig ist – oft unter 30 Prozent in Trockenfutter oder unter 50 Prozent in Nassfutter. Ein solches Futter entspricht nicht der natürlichen Ernährung eines Beutefressers.
Für uns ist ein Fleischanteil von mindestens 60–70 Prozent im Nassfutter und etwa 30–40 Prozent im Trockenfutter ein guter Anhaltspunkt. Das lässt Raum für moderate Kohlenhydratquellen, ohne die Proteinversorgung zu vernachlässigen.
Welche Kohlenhydrate sind am besten für Hunde?
Nicht alle Kohlenhydrate sind gleich. Entscheidend ist, wie gut der Hund sie aufspalten und verwerten kann.
Gut verträglich:
- Kartoffel – leicht verdaulich, wird von den meisten Hunden gut vertragen
- Süßkartoffel – ähnlich wie Kartoffel, liefert zusätzlich Ballaststoffe und Beta-Carotin
- Reis – besonders bei empfindlichem Magen eine sichere Wahl
- Hirse – glutenfrei und gut bekömmlich
- Pastinake, Kürbis – ballaststoffreich, in kleineren Mengen sinnvoll
Häufig problematisch:
- Weizen – häufiger Auslöser von Unverträglichkeiten, kann zu Juckreiz und Verdauungsproblemen führen
- Mais – schwer verdaulich, wird oft als billiger Füllstoff eingesetzt
- Soja – für viele Hunde schlecht verträglich, kann Blähungen verursachen
Wenn dein Hund Getreide verträgt, ist dagegen nichts einzuwenden. Reis oder Hirse in moderaten Mengen sind für die meisten Hunde unproblematisch. Weizen und Mais würden wir dagegen meiden, besonders wenn sie in großen Mengen enthalten sind.
Woran erkenne ich zu viele Kohlenhydrate im Futter?
Achte auf diese Anzeichen:
- Große Kotmengen: Je mehr unverdauliche Füllstoffe im Futter, desto größer die Hinterlassenschaft.
- Weicher oder breiiger Kot: Oft ein Zeichen dafür, dass die Kohlenhydrate nicht vollständig verwertet werden.
- Blähungen und Magengeräusche: Vergärung im Darm durch zu viel oder schlecht aufgeschlossene Stärke.
- Juckreiz, stumpfes Fell: Können auf eine Getreideunverträglichkeit hinweisen.
- Unruhe nach dem Fressen: Manche Hunde reagieren auf hohe Kohlenhydratanteile mit Hyperaktivität.
Ein weiterer Hinweis ist die Futtermenge: Brauchst du große Portionen, um deinen Hund satt zu bekommen, ist die Energiedichte wahrscheinlich niedrig – oft ein Zeichen für viele Kohlenhydrate und wenig Fleisch.
Was heißt das für deine Futterauswahl?
Wenn du ein neues Futter aussuchst oder das bisherige hinterfragst, schau dir die Zutatenliste genau an:
- Fleisch sollte an erster Stelle stehen – und zwar in nennenswerter Menge. Im Nassfutter sollten mindestens 60 Prozent Fleisch enthalten sein, besser mehr.
- Kohlenhydratquellen sollten benannt sein: „Kartoffel" ist besser als „pflanzliche Nebenerzeugnisse".
- Getreide in Maßen: Wenn Getreide enthalten ist, sollte es nicht die Hauptzutat sein. Reis oder Hirse sind besser verträglich als Weizen.
- Kein Zucker, keine Füllstoffe: Rübenschnitzel in kleinen Mengen als Ballaststoffquelle ist okay – aber Zucker, Malz oder große Mengen an billigem Getreide gehören nicht ins Futter.
Wenn dein Hund sein Futter gut verträgt, keine Verdauungsprobleme hat, ein glänzendes Fell und gute Energie zeigt, machst du wahrscheinlich schon vieles richtig. Wenn du aber unsicher bist oder Probleme siehst, lohnt sich der Wechsel zu einem Futter mit höherem Fleischanteil und weniger Kohlenhydraten.
Unsere Haltung: Fleisch an erster Stelle
Für uns ist klar: Ein gutes Hundefutter orientiert sich an dem, was ein Hund von Natur aus fressen würde – und das ist in erster Linie Fleisch. Kohlenhydrate in moderaten Mengen sind kein Problem, aber sie sollten nie die Basis bilden.
Wir selbst setzen auf Reico-Futter, weil es genau diese Philosophie umsetzt: hoher Fleischanteil, klar benannte Zutaten, keine billigen Füllstoffe. Die Nassfutter enthalten zwischen 60 und über 90 Prozent Fleisch, die Trockenfutter sind kaltgepresst und schonend verarbeitet. Für uns ist das der beste Weg, einen Hund artgerecht zu ernähren – und wir sehen das jeden Tag an den Hunden, die wir begleiten.
Falls du Fragen zu deinem Futter hast oder wissen möchtest, ob ein Wechsel sinnvoll wäre, melde dich gern. Unsere kostenlose Futterberatung schaut sich deine Situation individuell an – ohne Druck, dafür mit viel Erfahrung.
Häufige Fragen
- Sind Kohlenhydrate für Hunde lebensnotwendig?
- Nein, Kohlenhydrate gehören nicht zu den essenziellen Nährstoffen für Hunde. Ihr Körper kann aus Fett und Protein alle Energie und Glukose herstellen, die er braucht. Anders als Proteine, Fette, Vitamine und Mineralstoffe müssen Kohlenhydrate nicht zwingend im Futter enthalten sein. Trotzdem können sie in moderaten Mengen eine sinnvolle Energiequelle darstellen, besonders bei aktiven Hunden.
- Wie viel Kohlenhydrate verträgt ein Hund?
- Die meisten Hunde vertragen etwa 20–30 Prozent Kohlenhydrate in der Trockensubstanz ohne Probleme, wenn die Quellen hochwertig und gut aufgeschlossen sind. Höhere Anteile – etwa über 40 Prozent – führen bei vielen Hunden zu weichem Kot, Blähungen oder Unverträglichkeiten. Welpen, alte Hunde und Tiere mit empfindlicher Verdauung profitieren meist von niedrigeren Kohlenhydratanteilen und einem höheren Fleischanteil.
- Welche Kohlenhydrate sind für Hunde am besten?
- Gut bekömmlich sind Kartoffel, Süßkartoffel, Reis und Hirse – sie liefern Energie ohne häufige Unverträglichkeiten. Auch Pastinake oder Kürbis eignen sich. Weizen, Mais und Soja führen dagegen bei vielen Hunden zu Verdauungsproblemen. Wichtig ist, dass die Kohlenhydrate erhitzt wurden: Rohe Stärke kann der Hund kaum verwerten, gekocht oder dampfgegart wird sie deutlich besser aufgeschlossen.
- Macht Getreide im Hundefutter Probleme?
- Getreide an sich ist nicht grundsätzlich schlecht, aber viele Hunde vertragen größere Getreidemengen nicht gut – besonders Weizen und Mais. Häufige Folgen sind Durchfall, Juckreiz oder stumpfes Fell. Reis und Hirse werden meist besser vertragen. Wer unsicher ist, wählt ein Futter mit Kartoffel oder Süßkartoffel statt Getreide. Entscheidend ist immer der Gesamtanteil: Steht Getreide vor dem Fleisch in der Zutatenliste, ist der Fleischanteil zu niedrig.
- Brauchen aktive Hunde mehr Kohlenhydrate?
- Aktive Hunde haben einen höheren Energiebedarf, den man aber genauso gut über mehr Fett decken kann. Fett liefert mehr als doppelt so viel Energie pro Gramm wie Kohlenhydrate und belastet die Verdauung weniger. Kohlenhydrate können bei Ausdauerleistung eine schnell verfügbare Energiequelle sein, für die meisten Familienhunde ist ein moderater Anteil aber völlig ausreichend. Wichtiger als der Kohlenhydratanteil ist die Gesamtkalorienmenge und Verdaulichkeit.
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