Ausschlussdiät beim Hund: Schritt für Schritt
Von Simone Einfeldt und Thomas Nocker · Veröffentlicht 09. September 2026
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder akuten Symptomen wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
Das Wichtigste in Kürze
Eine Ausschlussdiät dauert acht bis zwölf Wochen. Gefüttert wird ausschließlich eine Protein- und eine Kohlenhydratquelle, die der Hund noch nie bekommen hat — häufig Pferd oder Känguru mit Pastinake. Keine Leckerlis, keine Kauartikel, keine aromatisierten Zahnpflegemittel. Danach folgt die kontrollierte Provokation, mit der sich der Auslöser bestätigen lässt.
Was eine Ausschlussdiät leistet
Sie ist das einzige Verfahren, mit dem sich eine Futtermittelallergie zuverlässig feststellen lässt. Bluttests taugen dafür nicht — warum, steht unter Futtermittelallergie.
Das Prinzip ist simpel: Du reduzierst die Nahrung auf zwei Zutaten, die dein Hund noch nie hatte. Verschwinden die Symptome, war etwas im bisherigen Futter der Auslöser. Anschließend führst du die alten Zutaten einzeln zurück, bis du weißt, welche es war.
Der Ablauf
Woche 0
Vorbereitung
Tierärztlich abklären lassen, dass Parasiten, Infektionen und Hefepilze nicht die Ursache sind. Aufschreiben, was dein Hund in den letzten Monaten alles bekommen hat — Futter, Leckerlis, Kauartikel, Medikamente.
Woche 1
Umstellung
Innerhalb weniger Tage auf das Diätfutter wechseln. Anders als bei einer normalen Futterumstellung wird hier nicht wochenlang gemischt — das würde die Diät verwässern.
Woche 2–4
Erste Reaktion
Verdauungsbeschwerden bessern sich häufig schon jetzt. Hautsymptome brauchen länger — hier passiert oft noch nichts Sichtbares. Das ist normal und kein Grund abzubrechen.
Woche 4–8
Hautsymptome bilden sich zurück
Wenn das Futter beteiligt ist, lässt der Juckreiz jetzt spürbar nach. Fell und Haut erholen sich langsamer als der Darm.
Woche 8–12
Beurteilung
Jetzt entscheidet sich, ob die Diät angeschlagen hat. Keine Besserung nach zwölf Wochen bedeutet: Das Futter ist wahrscheinlich nicht die Ursache — oder die Diät wurde unterlaufen.
danach
Provokation
Der Schritt, den die meisten auslassen: Du gibst gezielt eine einzelne alte Zutat zurück und beobachtest 1 bis 2 Wochen. Kommen die Symptome wieder, ist der Auslöser gefunden.
Schritt 1: Die Futtergeschichte aufschreiben
Bevor du ein Diätfutter aussuchst, brauchst du eine Liste dessen, was dein Hund schon kennt — und zwar vollständig. Also nicht nur das Hauptfutter, sondern auch:
- alle Futtersorten der letzten Monate, mit Fleischsorten
- Leckerlis, Trainingssnacks, Kauartikel
- Zahnpflegeprodukte und Nahrungsergänzungen
- aromatisierte Medikamente wie Wurmkuren
- Reste vom Tisch, Obst, Gemüse
Diese Liste bestimmt, welche Proteinquelle für die Diät überhaupt infrage kommt. Alles, was darauf steht, fällt aus.
Schritt 2: Das Diätfutter auswählen
Gesucht ist ein Futter mit genau einer Proteinquelle und einer Kohlenhydratquelle, beide neu für deinen Hund, mit vollständig aufgeschlüsselter Zutatenliste.
| Geeignete Proteinquellen | Geeignete Kohlenhydratquellen |
|---|---|
| Pferd | Pastinake |
| Känguru | Kartoffel |
| Ziege | Süßkartoffel |
| Rotwild | Kürbis |
| Insektenprotein | Hirse (wenn noch nie gefüttert) |
Welche davon für deinen Hund neu ist, hängt allein von seiner Vorgeschichte ab. Pferd ist keine „Allergikersorte" — es ist nur selten im Standardfutter enthalten.
Schritt 3: Konsequent durchhalten
Das ist der schwierige Teil, und daran scheitert die Mehrzahl der Versuche. Während der Diätphase gibt es nichts außer dem Diätfutter und Wasser.
Sag allen Bescheid
Familie, Nachbarn, Hundetrainer, Besuch. Ein einziges Leckerli vom gut meinenden Nachbarn kann acht Wochen Arbeit entwerten — und du erfährst es nicht einmal.
Führe ein einfaches Protokoll: Datum, Futtermenge, Juckreiz auf einer Skala von 0 bis 10, Kotkonsistenz, Besonderheiten. Eine Zeile pro Tag genügt. Nach acht Wochen erkennst du darin Verläufe, die im Alltag untergehen.
Schritt 4: Die Provokation — bitte nicht auslassen
Wenn die Symptome verschwunden sind, ist die Versuchung groß, es dabei zu belassen. Verständlich, aber ein Fehler: Du weißt dann nur, dass das Diätfutter verträglich ist. Welche Zutat das Problem war, weißt du nicht — und damit bleibt jede künftige Futterwahl ein Ratespiel.
So läuft die Provokation:
- Gib zusätzlich zum Diätfutter eine frühere Zutat, zum Beispiel gekochtes Hühnerfleisch.
- Beobachte ein bis zwei Wochen.
- Kommen die Symptome zurück, ist der Auslöser bestätigt. Setze die Zutat wieder ab und warte, bis die Symptome verschwunden sind.
- Passiert nichts, ist diese Zutat unverdächtig. Weiter mit der nächsten.
Das dauert, ist aber die einzige Möglichkeit, am Ende wieder frei auswählen zu können.
Häufige Fehler
- Zu früh abbrechen. Hautsymptome brauchen sechs bis acht Wochen. Wer nach vier Wochen aufgibt, verliert die Arbeit.
- Zwei Dinge gleichzeitig ändern. Neues Futter plus neues Shampoo plus Nahrungsergänzung — dann ist das Ergebnis nicht zuzuordnen.
- Ein Futter mit Sammelbegriffen wählen. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ist für eine Ausschlussdiät wertlos.
- Die Provokation auslassen. Siehe oben.
- Medikamente vergessen. Aromatisierte Tabletten und Wurmkuren enthalten oft Hühnerprotein.
Wann du tierärztlichen Rat brauchst
Vor dem Start, um andere Ursachen auszuschließen. Und während der Diät, wenn offene Hautstellen, starker Gewichtsverlust oder blutiger Durchfall auftreten. Eine Ausschlussdiät ist ein diagnostisches Verfahren — bei einem kranken Hund gehört sie in fachliche Begleitung.
Häufige Fragen
- Wie lange dauert eine Ausschlussdiät beim Hund?
- Acht bis zwölf Wochen für die Diätphase, danach ein bis zwei Wochen je Zutat für die Provokation. Verdauungssymptome bessern sich oft schon nach zwei bis drei Wochen, Hautsymptome brauchen deutlich länger.
- Was darf mein Hund während der Ausschlussdiät fressen?
- Ausschließlich das Diätfutter und Wasser. Eine Proteinquelle, eine Kohlenhydratquelle — beides neu für den Hund. Keine Leckerlis aus anderen Fleischsorten, keine Kauartikel, keine aromatisierten Zahnpflegeprodukte oder Medikamente.
- Was ist die Provokation und warum ist sie wichtig?
- Nach erfolgreicher Diätphase gibst du gezielt eine einzelne frühere Zutat zurück, etwa Huhn. Treten die Symptome innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder auf, ist der Auslöser bestätigt. Ohne diesen Schritt weißt du nur, dass das neue Futter verträglich ist — nicht, worauf dein Hund reagiert hat.
- Kann ich die Ausschlussdiät selbst kochen?
- Grundsätzlich ja, und für die Diätphase ist selbst gekochtes Futter aus einer Fleisch- und einer Kohlenhydratquelle gut geeignet. Über mehrere Wochen entstehen dabei allerdings Nährstofflücken — deshalb sollte eine selbst gekochte Ration mit fachlicher Unterstützung ergänzt werden.
- Was tun, wenn sich nichts bessert?
- Zwei Möglichkeiten: Entweder ist das Futter nicht die Ursache — dann kommen Umweltallergien, Parasiten oder Hauterkrankungen infrage. Oder die Diät wurde unterlaufen, meist durch Leckerlis oder Futter von Dritten. Bevor du die Diät für gescheitert erklärst, prüfe zuerst die zweite Möglichkeit.
- Muss mein Hund dauerhaft das Diätfutter fressen?
- Nein. Nach der Provokation weißt du, welche Zutat problematisch ist, und kannst gezielt danach auswählen. Das eröffnet meist deutlich mehr Auswahl, als viele erwarten.
Ich begleite dich durch die Diät
Acht Wochen durchzuhalten ist leichter, wenn jemand mitschaut. Wir stellen gemeinsam den Plan auf, klären die Leckerli-Frage und gehen die Provokation strukturiert durch.
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