Hundefutter-Deklaration lesen
Von Simone Einfeldt und Thomas Nocker · Veröffentlicht 09. September 2026 · Aktualisiert 27. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Die Zutatenliste steht in absteigender Reihenfolge des Gewichts — was vorne steht, ist am meisten enthalten. Entscheidend ist, ob die Zutaten einzeln benannt sind oder in Gruppen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ zusammengefasst (ohne weitere Details zu nennen). Gruppen sind erlaubt, aber sie verbergen, was tatsächlich verarbeitet wurde.
Die drei Deklarationsarten
Das Futtermittelrecht lässt Herstellern die Wahl, wie genau sie ihre Zutaten angeben. Daraus ergeben sich drei Stufen, die in der Praxis über den Informationswert eines Etiketts entscheiden.
Offene Deklaration
Jede Zutat steht einzeln, meist mit Prozentangabe. Die beste Form — du weißt genau, was im Napf ist.
Rind 69 % (Fleisch, Lunge, Leber, Pansen, Euter, Herz), Brühe, Kartoffeln 4 %, Mineralstoffe
Halboffene Deklaration
Zutaten sind benannt, aber nicht alle Anteile angegeben. Brauchbar, lässt aber Spielraum.
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 42 % (Ente), Kartoffel, Erbsen, Leinsaat
Geschlossene Deklaration
Nur Gruppenbezeichnungen. Hier erfährst du praktisch nichts über die tatsächlichen Bestandteile.
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse,Mineralstoffe
Was die Begriffe wirklich bedeut-en
| Auf dem Etikett | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Fleisch | überwiegend Muskelfleisch |
| Tierische Nebenerzeugnisse | Innereien wie Leber, Lunge, Pansen, Herz — rechtlich aber auch Schwarten, Federn oder Hörner |
| Pflanzliche Nebenerzeugnisse | Reste der pflanzlichen Verarbeitung, etwa Kleie oder Trockenschnitzel |
| Getreide | nicht näher bestimmt — kann Weizen, Mais, Reis oder Mischungen sein |
| EG-Zusatzstoffe | zugesetzte Vitamine und Spurenelemente, bei Alleinfutter üblich und nötig |
| Rohasche | der mineralische Anteil, kein Schmutz. Hohe Werte deuten auf viel Knochenanteil hin |
Die Reihenfolge verrät die Menge
Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Steht Getreide an erster Stelle, ist mehr Getreide als Fleisch enthalten — unabhängig davon, was das Bild auf der Packung zeigt.
Ein Fallstrick: Bei Trockenfutter kann eine Fleischangabe auf Frischfleisch vor der Trocknung basieren. Frisches Fleisch besteht zu rund 70 Prozent aus Wasser — von „Frischfleisch 70 %" bleiben nach dem Trocknen etwa 20 Prozent übrig. Steht dagegen „Trockenfleisch" oder „Fleischmehl" da, ist der Wasseranteil bereits heraus und die Zahl ehrlicher.
Die Produktnamen sind reguliert
Auch der Name auf der Dose folgt Regeln. In der deutschen Kennzeichnungspraxis gilt grob:
| Bezeichnung | Ungefährer Anteil der genannten Tierart |
|---|---|
| „Rind pur“ / „100 % Rind“ | sehr hoch, nahezu ausschließlich |
| „Rindmenü“ | etwa ein Viertel |
| „mit Rind“ | etwa 4 Prozent |
| „Rindgeschmack“ | unter 4 Prozent, teils nur Aroma |
Verlass dich trotzdem nicht auf den Namen, sondern auf die Prozentangabe in der Zutatenliste. Sie ist die verbindlichere Angabe.
Alleinfutter oder Ergänzungsfutter?
Diese Angabe steht meist klein auf der Rückseite und ist wichtiger, als sie aussieht. Ein Alleinfuttermittel deckt den gesamten täglichen Bedarf. Ein Ergänzungsfuttermittel tut das nicht — es ergänzt eine Ration.
Aber: Gerade bei naturbelassenen Produkten ist die Einstufung als Ergänzungsfuttermittel nicht automatisch ein Qualitätsmangel. Viele Reinfleisch-Dosen und naturbelassene Futtermittel verzichten bewusst auf zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe und sind deshalb häufig als Ergänzungsfuttermittel deklariert.
Dein 30-Sekunden-Check
- Erste Zutat: Steht dort eine Fleischquelle mit Prozentangabe?
- Aufschlüsselung: Wird in Klammern benannt, was in den Nebenerzeugnissen steckt?
- Sammelbegriffe: Tauchen „Getreide" oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse" auf?
- Zucker: Steht Zucker, Melasse oder Karamell in der Liste? Für Hunde ist beides überflüssig.
- Qualität: Ist das Fleisch in Form von Muskelfleisch und benannten Innereien enthalten oder in stark verarbeiteter Form wie Fleischmehl, tierisches Protein oder hydrolisiertes Protein?
Und wenn ein Futter schlecht deklariert ist?
Dann ist es nicht automatisch schlecht — aber du kannst es nicht beurteilen. Das ist vor allem dann ein Problem, wenn dein Hund auf etwas reagiert: Eine Ausschlussdiät funktioniert nur mit Futter, dessen Bestandteile bekannt sind. Man kann nicht ausschließen, was man nicht kennt.
Wie sich das bei einer konkreten Marke auswerten lässt, zeigt die Analyse aller Produkte unter Reico Inhaltsstoffe — dort habe ich 66 Zutatenlisten nach genau diesen Kriterien sortiert.
Häufige Fragen
- Was bedeutet „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“?
- Es ist eine rechtlich zulässige Gruppenbezeichnung. „Fleisch“ meint überwiegend Muskelfleisch, „tierische Nebenerzeugnisse“ umfasst Innereien wie Pansen, Leber, Lunge und Herz — rechtlich aber auch minderwertige Bestandteile wie Federn oder Schwarten. Ohne Aufschlüsselung erfährst du nicht, was verarbeitet wurde.
- Sind tierische Nebenerzeugnisse schlecht?
- Nein, im Gegenteil. Innereien wie Leber, Herz und Pansen sind für Hunde hochwertige Bestandteile und in der Natur Teil der Beute. Das Problem ist nicht die Zutat, sondern die fehlende Angabe: Bei einer Gruppenbezeichnung weißt du nicht, ob Leber und Herz drin sind — oder Federmehl.
- Was ist der Unterschied zwischen offener und geschlossener Deklaration?
- Bei der offenen Deklaration steht jede Zutat einzeln mit Prozentangabe. Bei der halboffenen sind die Zutaten benannt, die Anteile aber nur teilweise. Bei der geschlossenen Deklaration stehen nur Gruppen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „Getreide“ — das ist die intransparenteste Form.
- Was bedeutet Alleinfuttermittel?
- Ein Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es allein den täglichen Nährstoffbedarf deckt. Warum steht bei Nassfutter oft „mit Rind“ statt „Rind“? Weil die Formulierung den Anteil verrät. Als Faustregel aus der Kennzeichnungspraxis: „Rind pur“ steht für einen sehr hohen Anteil, „Rindmenü“ für rund ein Viertel, „mit Rind“ nur für etwa vier Prozent. Ein Blick auf die Prozentangabe in der Zutatenliste ist deshalb aussagekräftiger als der Produktname.
- Woran erkenne ich schnell ein schlechtes Futter?
- Drei Warnzeichen: Es stehen nur Gruppenbezeichnungen ohne Prozentangaben in der Liste, Getreide oder pflanzliche Nebenerzeugnisse stehen weit vorne, und die Bestandteile sind intransparent deklariert . Jedes einzelne ist noch kein Ausschlussgrund — alle drei zusammen schon.
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