Wie viel Fleisch steckt wirklich im Futter?
Von Simone Einfeldt und Thomas Nocker · Veröffentlicht 09. September 2026 · Aktualisiert 27. September 2026
Das Wichtigste in Kürze
„70 % Frischfleisch“ klingt gut — übrig bleiben nach dem Trocknen aber nur rund 20 %. Bei Nassfutter kommt es darauf an, ob die Brühe im Fleischanteil steckt oder separat deklariert ist. Der Rechner berücksichtigt beides und zeigt, wie viel des deklarierten Proteins aus dem angegebenen Fleisch überhaupt stammen kann.
Feuchtigkeit steht auf meiner Packung — eigenen Wert eingeben
Ergebnis
9,5 % echte Fleischsubstanz
von 70 % angegebenem Fleischanteil
| Trockensubstanz | 22,0 % |
|---|---|
| Fleischsubstanz in der Trockensubstanz | 43,0 % |
| Rohprotein in der Trockensubstanz | 50,0 % |
| Rohfett in der Trockensubstanz | 27,3 % |
| Protein, das aus dem Fleisch stammen kann | 60 % des Rohproteins |
Rund 60 % des Proteins lassen sich aus dem Fleisch erklären. Der Rest stammt aus anderen Quellen — meist pflanzlichen wie Erbsen, Kartoffeln oder Getreide.
- Feuchtigkeit 78 % (angenommen)
- Brühe 35 % (angenommen) — wird vom Fleischanteil abgezogen
- Frischfleisch enthält rund 73 % Wasser, es bleiben also etwa 27 % Substanz
- Fleisch enthält in der Trockensubstanz rund 70 % Protein
Rechenweg anzeigen
- Trockensubstanz: 100 − 78 = 22,0 %
- Fleisch ohne Brühe: 70 − 35 = 35,0 %
- Nach Abzug des Wassers im Fleisch: × 0.27 = 9,5 % Fleischsubstanz
- Protein aus dem Fleisch: 9,5 × 0.7 = 6,6 %
- Anteil am deklarierten Rohprotein: 6,6 ÷ 11,0 = 60 %
Wichtig: Das Ergebnis ist eine Größenordnung, keine Laboranalyse. Es beruht auf Durchschnittswerten für Fleisch — die tatsächlichen Gehalte schwanken je nach Tierart und Anteil an Innereien. Aussagekräftig ist die Rechnung trotzdem: Sie zeigt, ob ein beworbener Fleischanteil das deklarierte Protein überhaupt erklären kann.
Warum die Zahl auf der Packung täuscht
Zwei Effekte sorgen dafür, dass ein beworbener Fleischanteil größer wirkt, als er ist. Beide sind völlig legal und stehen so nirgends erklärt.
Frischfleisch ist überwiegend Wasser
Frisches Fleisch besteht zu etwa 73 Prozent aus Wasser. Wird ein Trockenfutter hergestellt, verdampft dieses Wasser — von den angegebenen 70 Prozent Frischfleisch bleiben rund 20 Prozent Fleischsubstanz im fertigen Produkt.
Deshalb ist die Formulierung auf der Packung entscheidend:
| Angabe | Bedeutung |
|---|---|
| Frischfleisch | vor der Verarbeitung gewogen, Wasser noch enthalten — die Zahl schrumpft im fertigen Futter auf etwa ein Viertel |
| Trockenfleisch, Fleischmehl | bereits getrocknet gewogen — die Zahl entspricht dem, was tatsächlich drin ist |
Ein Futter mit „43 % Trockenfleisch" enthält also mehr Fleischsubstanz als eines mit „70 % Frischfleisch" — obwohl die zweite Zahl deutlich größer aussieht.
Manchmal zählt die Brühe mit
Bei Nassfutter entscheidet die Formulierung, ob die Brühe im Fleischanteil steckt. Das ist der Unterschied zwischen einer Sammelangabe und einer aufgeschlüsselten Zutatenliste:
| Deklaration | Was das heißt |
|---|---|
| „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 70 %“ | Sammelangabe — die Brühe ist in den 70 % enthalten und muss abgezogen werden. Steht kein Anteil auf der Packung, rechnet der Rechner mit 35 % und weist das im Ergebnis aus. |
| „Rind 69 %, Brühe, Kartoffeln …“ | Die Brühe steht als eigene Zutat daneben — die 69 % sind reines Fleisch. Hier etwas abzuziehen würde ein gut deklariertes Futter schlechter rechnen, als es ist. |
Der eigentliche Test: Passt das Protein zum Fleisch?
Aus dem Fleischanteil lässt sich abschätzen, wie viel Protein daraus stammen kann. Fleisch enthält in der Trockensubstanz rund 70 Prozent Protein. Vergleicht man dieses rechnerische Protein mit dem deklarierten Rohprotein, zeigt sich, ob die Zahlen zusammenpassen.
Klafft eine große Lücke, stammt ein erheblicher Teil des Eiweißes aus anderen Quellen — meist pflanzlichen wie Erbsenprotein, Kartoffelprotein oder Getreide. Das ist nicht automatisch schlecht, aber es sollte auf der Verpackung erkennbar sein und ist es selten.
Was du zusätzlich in der Zutatenliste prüfen kannst, steht unter Futter-Deklaration lesen.
Was der Rechner nicht kann
- Die Qualität beurteilen. Ob das Fleisch aus Muskelfleisch oder überwiegend aus Bindegewebe besteht, verrät keine Prozentzahl.
- Genaue Werte liefern. Er arbeitet mit Durchschnittswerten. Der tatsächliche Proteingehalt schwankt je nach Tierart und Anteil an Innereien.
- Eine Empfehlung geben. Ein hoher Fleischanteil ist nicht für jeden Hund die richtige Wahl — bei bestimmten Erkrankungen ist sogar das Gegenteil sinnvoll.
Häufige Fragen
- Was ist Trockensubstanz beim Hundefutter?
- Der Anteil eines Futters ohne Wasser. Nassfutter enthält rund 78 Prozent Feuchtigkeit, es bleiben also etwa 22 Prozent Trockensubstanz. Bei Trockenfutter sind es rund 92 Prozent. Alle Nährwertangaben beziehen sich auf das Produkt inklusive Wasser — deshalb wirken Nassfutter auf dem Etikett schwächer, als sie sind.
- Warum bleibt von 70 Prozent Frischfleisch so wenig übrig?
- Weil Frischfleisch zu etwa drei Vierteln aus Wasser besteht. Von 70 Prozent Frischfleisch im Trockenfutter bleiben nach dem Trocknen nur rund 19 Prozent tatsächliche Fleischsubstanz. Steht dagegen „Trockenfleisch“ oder „Fleischmehl“ auf der Packung, ist das Wasser bereits heraus und die Zahl ehrlicher.
- Zählt die Brühe im Nassfutter zum Fleischanteil?
- Das hängt von der Deklaration ab. Steht „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 70 Prozent“, ist die Brühe in dieser Zahl enthalten — üblich sind etwa 35 Prozent. Steht dagegen „Rind 69 Prozent, Brühe, Kartoffeln“, ist die Brühe eine eigene Zutat und darf nicht abgezogen werden. Der Rechner fragt das ab, weil die Unterscheidung das Ergebnis stark verändert.
- Wie viel Protein sollte aus Fleisch stammen?
- Es gibt keinen gesetzlichen Richtwert. Als Orientierung: Lässt sich das deklarierte Rohprotein weitgehend durch den angegebenen Fleischanteil erklären, stammt das Eiweiß überwiegend aus tierischer Quelle. Bleibt eine große Lücke, kommt ein erheblicher Teil aus pflanzlichen Quellen wie Erbsen, Kartoffeln oder Getreide.
- Ist pflanzliches Protein schlecht für Hunde?
- Nicht grundsätzlich. Hunde können pflanzliches Eiweiß verwerten, allerdings schlechter als tierisches, und das Aminosäureprofil passt weniger gut zum Bedarf. Problematisch ist weniger die Zutat als die Intransparenz: Wer mit einem hohen Fleischanteil wirbt, dessen Protein aber überwiegend aus Erbsen stammt, verkauft etwas anderes, als er verspricht.
- Wie genau ist das Ergebnis?
- Es ist eine Größenordnung, keine Laboranalyse. Der Rechner arbeitet mit Durchschnittswerten für Fleisch; die tatsächlichen Gehalte schwanken je nach Tierart und Anteil an Innereien. Aussagekräftig ist er trotzdem: Er zeigt, ob ein beworbener Fleischanteil das deklarierte Protein überhaupt erklären kann.
Durchgerechnet und unsicher, was das bedeutet?
Schick uns die Zahlen deines Futters. Wir schauen sie uns gemeinsam an und ordnen ein, was für deinen Hund daraus folgt.
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